Venezulanische Inseln
 

Route
Von Montserrat kommend zu den venezulanischen Islas los Testigos, Margarita, Tortuga, Roques, Aves. Das Festland Venezuela haben wir nicht besucht, weil andere Segler derzeit zumeist Negatives von dort berichteten. Auch Isla Margarita ist ein ziemlich kriminelles Nest, an Land und auf den Ankerplätzen. Hier übten wir, wie man das Beiboot täglich mitsamt Motor schnell zu Wasser und an Deck winscht.
 

Abfahrt Montserrat
Bei seinem letzten Ausbruch 1995-97 hatte der Vulkan Soufriere auf Montserrat die halbe Insel und die Hauptstadt Plymouth (Mitte heller Fleck) komplett mit Asche zugedeckt. Ein kleiner Rest der ehemaligen Bevölkerung wohnt nun im nördlichen Teil der Insel und wartet auf weitere Ausbrüche. Unser Ankerplatz an der Nordwestspitze "Little Bay" war extrem rollig. Die Überfahrt 3 1/2 Tage südwärts direkt zu den venezulanischen Inseln zählen wir auch zu den ungemütlicheren.
 
 

Ankunft Islas Los Testigos
Etwa 200 Menschen leben auf 2 der 4 Inseln in einem zeitlosen Paradies (aus unserer Sicht). Fisch haben sie reichlich und wir bekommen zur Begrüßung vom Fischer Roberto einen dicken Red Snapper fertig filetiert geschenkt. Geld hat hier keine Bedeutung - man tauscht; und abends geht es früh in's Bett, weil der Insel-Stromgenerator seit langem nicht mehr funktioniert. Commandante Ulrich der Coastguard-Station gewährt uns 6 Tage statt der üblichen 2 Tage Aufenthalt.
 

Isla Testigo Grande
Hier am Oststrand ruht sich Carlos vom nächtlichen Fischfang aus. Wenn er nicht gerade in seiner Hängematte liegt, sammelt er brauchbares Treibholz.
 
 

UFO's?
Weiter südlich am selben menschenleeren Strand Spuren eines Raupenfahrzeugs. Was soll das hier? Es gibt keine Straßen und Autos weit und breit! Bevor wir auf Erich von Dänikken verfallen, finden wir die Lösung: eine (Riesen-)Schildkröte hat frühmorgens ihre Eier im Sand abgelegt.
 
 

Kann sein oder nicht sein
Wieder kneifen wir uns: bin ich wirklich (hier)? Die Philosophen früherer Tage waren ja geniale Denker; hätten sie aber mehr von der Welt und ihren unerschöpflichen Naturkräften sehen können, wären ihre Schlussfolgerungen bestimmt nicht so überwiegend pessimistisch ausgefallen. Wir sinnieren stundenlang an diesem schönen Ort, wie dann wohl die Geschichte verlaufen wäre.
 
 

Isla Iguana / Testigos
An dieser Bucht liegt das Hauptdorf der Inselgruppe. Oben in der Mitte unter dem roten Dach ist die Schule mit 4 Klassen, die Kinder lernen von der ersten Klasse an Volksmusik spielen auf 4-saitigen Gitarren. Die nötigsten Lebensmittel und Haushaltsgegenstände werden über die Währung Fische am 40 Meilen entfernten Festland besorgt und gemeinschaftlich verteilt.
 
 

Dorfstraße nach Schulschluss
Die Jungs spielen Baseball. Ob der mitgebrachte Fußball, den wir der Sportlehrerin in die Hand drücken, angenommen wird, wissen wir nicht. Auf jeden Fall besteht sie darauf, uns zu sich zum Essen einzuladen.
 
 

Küche unter freiem Himmel
Bruder Francesco bereitet das Mahl: Leckere Langusten, weitere undefinierte Fische und Brotfladen als Beilage. Zuvor musste die TRUANT-Crew dem guten Mann und einer Nachbarin noch die verletzten Füße salben und verbinden.
 
 

Smalltalk beim Feinschmecken
mit einem wackeligen spanischen Grundwortschatz ist nicht einfach, aber lustig. Nellje und Francesco zeigen uns einen Trick, wie man auch in flinker Handarbeit die letzten Futterreste aus den Langustenbeinen quetscht. Ein unvergesslicher Nachmittag.
 
 

Isla Margarita -Porlamar
Auf den Testigos wären wir gern länger geblieben, aber ohne korrekte Einklarierung in einem sog. Port-of-Entry geht das nicht. Isla Margarita mag schön sein, wir haben ausser Porlamar und sein lebendiges Zentrum rund um den Plaza Bolivar nichts gesehen. Schon der kurze Weg vom Ankerplatz zu den nächsten Geschäften durfte aus Sicherheitsgründen nur mit dem Taxi unternommen werden. Nach preiswertem Bunkern von Diesel (7 Cent/Ltr) und Rum (1 Euro/Ltr) nix wie weiter.
 
 

Isla Margarita / Punta Arenas
Kurze Zwischenstation am Westkap von Isla Margarita. Hier ist die Welt wieder in Ordnung. Die Fischer fahren abends mit ihren kleinen Booten auf's Meer und kehren im Morgengrauen zurück. Scharen von Pelikanen helfen beim Löschen des Fangs.
 
 

Tortuga: Grünwasser statt Blauwasser
Eine 12 Meilen lange flache Koralleninsel mit guten Ankerplätzen und wenigen Segelschiffen. Auch die Charterflotten haben wir nun erst einmal hinter uns gelassen und geniessen die Ruhe. Die vorbeikommenden Fischer sind freundlich und eine Bootsbesatzung nimmt mit wahrem Freudengesang eine Flasche Rum von uns auf. Im Gegenzug wanderte eine 4 kg schwere Dorade in unseren Kescher, dessen Stil allerdings bei dieser Transaktion brach.
 
 

Kitschig
Sorry, aber so sieht das da wirklich aus. Selbst die Anfang April bereits senkrecht stehende Sonne lässt sich bei mildem Lüftchen und buntem Schirmchen bestens ertragen. Ein paar betuchte Urlauber vom venezulanischen Festland (es gibt einen kleinen Sportflughafen im Nordosten) störten diese Szenerie nicht.
 
 

Zuviel Rum oder mangelnde navigatorische Kenntnisse?
Das ist die Frage, die sich bei den vielen Wracks hier und auf den anderen Inseln stellt. Gestrandete Fischerboote, Segelschiffe und große Frachter zeugen von der schwierigen Navigation des Vor-GPS-Zeitalters in diesen flachen und doch manchmal rauen Gewässern.
 
 

Islas Los Roques
Das was auf diesem Satellitenbild rot erscheint, ist warme Landmasse, das Weisse sind Korallenriffe und mitten drin das Hellblaue ist modderige Lagune. Wir sind morgens mit Schleichfahrt in die Passage rechts unten durch die Brandung eingefahren und haben im Schutz des Aussenriffs den Anker geworfen, um die wackeligen Knie wieder zu entspannen. Schon nach 2 Tagen ging die Fahrt weiter durch das Gewirr nach El Gran Roque (oben rechts die westliche der 3er-Gruppe) und später nach Cayo Carenero, oben links die längliche Insel.
 
 

El Gran Roque
ist die Hauptinsel des Archipels mit einem schmucken Urlauberdorf und Flugverbindung zum Festland. Die übrigen flachen Inseln sind unbewohnt oder beherbergen allenfalls ein paar Fischerfamilien. Leider waren wir zur unpassenden Zeit und mit falschen Dokumenten hier. Viele venezulanische Urlauber machten Osterferien. Und zusätzlich drängte die penetrante Coastguard mit ihren schnellen Schlauchbooten ständig zur Weiterfahrt, weil wir ja in Porlamar bereits ausklariert hatten.
 
 

Urlaubsidylle für Hugo Chavez' Funktionärs-Elite
El Gran Roque ist geschmackvoll und schön und könnte glatt ein griechischer Geheimtipp sein. Das Wasser wird zwar noch jeden Morgen mit dem Tankwagen, dem einzigen Auto auf der Insel, vorbeigebracht, aber sonst gibt es jeden Komfort zu zünftigen Preisen. Und wir konnten telefonieren und emailen.
 
 




Streiflichter Los Roques
So werden wir diesen bizarren Archipel in Erinnerung behalten: Riffinsel mit einsamer Palme; Ureinwohner in Treibholzhütten; Invasion der Sonnenschirme; dickbäuchige Venezulaner mit ihren Motorbooten
 
 

Vogelparadies Islas Los Aves
Das sind 2 tolle Riffatolle, die man eher in der Südsee vermutet: Aves de Barlovento (unter dem Winde) und Aves de Sotavento (über...), beide ca. 5 Meilen im Durchmesser. Schon bei der Annäherung ziehen wir die Köpfe ein, um nicht gleich beschissen zu werden.
 

Glitschiger Landgang
So schlimm war es nicht, wir brauchten keinen Regenschirm. Es waren herrliche Tage und die Strände gehörten uns wieder allein.
 

Ohne Scheu
dösten die unterschiedlichsten Vögel in der Mittagssonne auf ihren Plätzen, während wir langsam mit dem Beiboot an ihnen vorbei tuckerten.
 

Octopusses Garden
war ebenso vielfältig und bunt. Je nach Windrichtung war das Wasser klar oder trüb von der Vogeljauche, die von den Büschen weggeschwemmt wurde.
 
 

Vermischtes
Krebse beim Sonnenbad; Fischerjunge auf Testigos; Fregattvogel im Sturzflug; Fregattenkapitän mit Kindern auf El Gran Roque.