Aller Anfang ist schwer
(Tetsche)
Nichts vergessen?
Ummelden, Zollfragen klären, Schiffsregistereintrag, Adressänderungen
mitteilen, Rufzeichenantrag, Finanzamt, Versicherungen und Finanzen ordnen
- alles will bedacht werden. Die Rundfunkgebühren-Eintreiber von
der GEZ verdienen eine besondere Erwähnung für ihre gewollte
Begriffsstutzigkeit beim Abmelden. Letzte Arztbesuche und Impfungen, Medikamente
(danke Tom!), Geräte, Karten, Ausrüstung, Ersatzteile und Werkzeug
beschaffen, solange es noch leicht von festem Boden aus geht. Freunden
und Verwandten für eine Weile tschüß sagen.
"She changed the color!"
war das erste, was der Steg-Nachbar herüber rief, als wir am 30. März 2004 endgültig auf
das Boot zogen. Nach der 3-monatigen Bürokratie ging nun vor Ort die
handwerkliche Arbeit los. Wiederbelebung aller Systeme nach der Winterpause.
Wir wurden vorgewarnt: "Mit einem Stahlboot pinselt ihr euch um die Welt".
Der Steg-Nachbar meinte allerdings zunächst die Haarfarbe.
Ausgangspunkt Almerimar.
Die mitgebrachten Geräte samt 3 Antennen für GPS, NAVTEX
und Radarwarner sind einzubauen, Wartungsarbeiten an Maschine, Steueranlage
und den Segeln zu erledigen. Unmengen von Proviant verschwinden in den
Stauräumen. Die Salon-Polster erhalten ein neues Outfit. Bei Cerveza
und Tapas mit SY Solitaire und SY Moana machen wir erste nette Seglerbekanntschaften, tauschen Programme
und erhalten nützliche Tipps über Köder und Karibik.
Warten auf Fair Winds.
Nach 6 Wochen Hausboot-Leben mit Blick auf schneebedeckte Berge und
nimmersatter Gastkatze will TRUANT endlich bewegt werden. Alle notwendigen
Arbeiten sind erledigt, nur der richtige Ostwind und wärmeres Wetter
lassen lange auf sich warten.
An der Besucherpier von Fuengirola.
Nach 26 Stunden Schaukelfahrt mit Wind direkt von achtern und 3 m Welle
querab bringen wir hier unseren Gleichgewichtssinn wieder in Ordnung. Der
Zwischenstopp in Fuengirola war nicht geplant: Ein Ventilsteuerkabel an der Starterbatterie hatte sich
losgerissen. Das fängt ja gut an.
Erster Sonnenuntergang auf See mit TRUANT.
Wir kneifen uns gegenseitig um festzustellen, ob wir das alles nicht
doch nur träumen.
Kurs auf Gibraltar.
Mit GPS und elektronischem Kartenplotter wird Navigation zum Kinderspiel.
Zur Sicherheit haben wir die Karten noch auf dem Laptop und wenn alles
ausfällt, muss es auch klassisch mit Papierkarten, Sextant und Kompass
gehen.
Gibraltar in Sicht.
Über dem Affenfelsen die sich bei Ostwind bildende Levante-Wolke.
Eine Pilotwal-Familie zieht vorbei und lässt sich durch metallisches
Klopfen wieder anlocken.
Die erste Nacht nach dem Einklarieren vor Anker an der Runway.
Die 2 folgenden Wochen liegt TRUANT geschützt in der Marina Bay
und die Zeit wird genutzt zu günstigen Einkäufen.
Die auf Sichtweite entfernte spanische Esskultur ist noch nicht bis hierher
vorgedrungen. Um 18 Uhr schließen die Geschäfte und nur in den
Casemates (Platz am Anfang der Main Street) ist abends noch was los. Eigentlich
dachten wir, dass das British Empire die 300-jährige Besetzung des Felsens
(1704 - 2004) richtig feiert.
Man kann das ja Dauerurlaub nennen,
aber die Routinearbeiten an/unter Deck und Unterwasserschiff verlangen
ihren täglichen Tribut. Die ersten Rippenprellungen, blauen Zehen
und Hautabschürfungen an Händen und Rücken sprechen für
sich. Ob im Hafen oder auf See, eines wird uns jetzt - anders als bei eher
fehlerverzeihlichen Chartertörns - erst richtig bewusst: jeder
Handgriff, jeder einzelne Schritt verlangt volle Konzentration, sonst geht
unweigerlich selbst das schief, was eigentlich gar nicht schief gehen kann.